Zusammenfassung: Die Raumsonde Hayabusa2 der JAXA wird am 5. Juli in einer Entfernung von nur 1 bis 10 Kilometern am Asteroiden Torifune vorbeifliegen. Die Mission testet neue Methoden zur schnellen Bestimmung physikalischer Eigenschaften von Asteroiden und könnte Daten liefern, die künftige Abwehrstrategien gegen gefährliche Himmelskörper unterstützen.
Warum steht Hayabusa2 wieder im Fokus?
Die berühmte Raumsonde Hayabusa2 der japanischen Raumfahrtagentur JAXA wurde nach Abschluss ihrer Hauptmission und der Rücksendung ihrer Probenkapsel zur Erde nicht außer Dienst gestellt. Während sie ihre lange Reise durch den tiefen Weltraum fortsetzt, bereitet sie sich nun auf einen neuen und äußerst ambitionierten Vorbeiflug vor.
Wie Space.com berichtet, wird Hayabusa2 am 5. Juli einen sehr nahen Vorbeiflug am Asteroiden Torifune durchführen. Dabei wird die Sonde den Himmelskörper in einer Entfernung von lediglich 1 bis 10 Kilometern passieren.
Das mag unspektakulär klingen, doch selbst im Maßstab des Weltraums gelten wenige Kilometer als extrem geringe Distanz. Zudem wird die Sonde dies bei einer Geschwindigkeit von mehreren Kilometern pro Sekunde tun.
„Wir werden eine weitere Kreatur entdecken, die wir dem Zoo der Asteroiden hinzufügen können.“
Mit diesem anschaulichen Vergleich verdeutlichen Forschende, wie unterschiedlich Asteroiden sein können. Jeder neu besuchte Asteroid kann unerwartete Eigenschaften offenbaren.
Was ist das eigentliche nächste Ziel von Hayabusa2?
So spannend der Vorbeiflug an Torifune auch ist, das endgültige Ziel der Mission liegt woanders. Die erweiterte Mission von Hayabusa2 soll im Jahr 2031 den winzigen Himmelskörper 1998 KY26 erreichen.
Dieser Asteroid misst lediglich etwa 11 Meter im Durchmesser. Zum Vergleich: Viele Stadtbusse würden einen beträchtlichen Teil dieser Größe einnehmen.
Gelingt die Mission, wird 1998 KY26 zu den kleinsten Asteroiden gehören, die jemals besucht wurden.
Besonders interessant ist, dass Forschende sogar die theoretische Möglichkeit einer Landung auf dieser winzigen Welt prüfen. Sollte ein solcher Versuch stattfinden, würden die Grenzen von Operationen auf einem Himmelskörper mit extrem geringer Schwerkraft ausgelotet.
Solche Missionen erinnern mich immer an die stillen Helden der Raumfahrt. Während große Raketenstarts die Schlagzeilen dominieren, erzielen kleine Raumsonden, die über Jahre hinweg arbeiten, wissenschaftlich oft eine noch größere Wirkung.
Was hat die Sonde während ihrer langen Reise getan?
Auch während ihrer erweiterten Mission war Hayabusa2 keineswegs untätig. Nach Angaben von Satoshi Tanaka von der JAXA führte die Sonde während ihres Fluges durch den tiefen Weltraum verschiedene wissenschaftliche Beobachtungen durch.
Dazu gehören Untersuchungen des Zodiakallichts sowie Studien zu Exoplaneten. So konnte die Sonde selbst während des Wartens auf ihre Hauptziele weiterhin wissenschaftliche Erkenntnisse liefern.
Obwohl sie im vergangenen Jahr vorübergehend in einen Schutzmodus wechseln musste, sollen die Systeme insgesamt weiterhin gut funktionieren. Das zeigt, dass eines der größten Risiken für die Mission erfolgreich bewältigt wurde.
Dass Raumsonden über Jahrzehnte hinweg aktiv bleiben können, ist aus technischer Sicht eine beeindruckende Leistung. Besonders Treibstoffmanagement, die Zuverlässigkeit elektronischer Systeme und die Kommunikationsinfrastruktur spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Wie könnte diese Mission zur künftigen Asteroidenabwehr beitragen?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen Asteroiden heute nicht mehr nur entdecken. Sie entwickeln zugleich Technologien, um bei Bedarf auf sie reagieren zu können.
Dafür muss zunächst verstanden werden, womit man es zu tun hat. Selbst wenn ein Asteroid von außen ähnlich aussieht, kann seine innere Struktur völlig anders beschaffen sein.
Der von Hayabusa2 getestete Ansatz einer schnellen Erkundung könnte im Fall einer potenziellen Bedrohung die Entscheidungszeit deutlich verkürzen. Zunächst könnte eine kleine Aufklärungssonde entsendet werden, um die Eigenschaften des Asteroiden zu bestimmen, bevor die passende Abwehrmethode ausgewählt wird.
So wie die Entdeckungen des James-Webb-Weltraumteleskops über die großräumige Struktur des Universums neue Fragen aufwerfen, zeigt auch die Beobachtung von James Webb, bei der sechs Galaxien in einer riesigen Struktur entdeckt wurden, wie komplex das Universum ist. Die Asteroidenforschung bildet dabei den deutlich näheren und praktischeren Teil dieses Gesamtbildes.
Gleichzeitig hängt die Zukunft von Raumfahrtmissionen nicht allein von wissenschaftlichen Instrumenten ab. Auch Raketen der nächsten Generation und neue Transportsysteme sind entscheidend. Deshalb könnten Entwicklungen wie die Pläne von Blue Origin für New Glenn künftig den Weg für noch mehr Asteroidenmissionen ebnen.
Quellen
Häufig gestellte Fragen
An welchem Asteroiden wird Hayabusa2 vorbeifliegen?
Die Raumsonde wird am 5. Juli 2026 in einer Entfernung von 1 bis 10 Kilometern am Asteroiden Torifune vorbeifliegen.
Wie groß ist der Asteroid Torifune?
Nach Angaben der Forschenden hat Torifune einen Durchmesser von etwa 450 Metern.
Was ist das nächste große Ziel von Hayabusa2?
Das langfristige Ziel der Mission ist es, im Jahr 2031 den rund 11 Meter großen Asteroiden 1998 KY26 zu erreichen.
Aus Sicht der Redaktion: Was mich an Asteroidenmissionen besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass scheinbar winzige Ziele den Zugang zu gewaltigen wissenschaftlichen Fragen eröffnen. Der Vorbeiflug an Torifune mag nur wenige Minuten dauern, doch die dabei gewonnenen Erfahrungen könnten eines Tages darüber entscheiden, wie wir einen die Erde bedrohenden Himmelskörper aufhalten.

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